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Klimabewusst Essen: Was kann ich bewirken?

Warum darf man bei der Klima-Diskussion die Ernährung nicht ignorieren, wie entstehen die Emissionen und welche Entscheidungen haben die grösste Wirkung bei einer klimafreundlichen Ernährung?

Die Zahlen sind klar und das Verbesserungspotential ist riesig: 31% der Treibhausgase kommen aus der Ernährung. Das ist mehr als durch Mobilität und Wohnen entsteht. Mit einer cleveren Selektion von pflanzlichen, saisonalen und regionalen Lebensmittel lassen sich über 50% der Emissionen eines durchschnittliches Menu einsparen.

Die meisten Emissionen entstehen durch die Futtermittelproduktion und die Methangase der Wiederkäuer (Kühe, Schafe und Ziege). Bis 2050 verdoppelt sich durch Populationswachstum und den vermehrten Fleischkonsum der weltweite Emissionsausstoss durch unsere Nahrungsmittel. Das weltweite 2 Grad Klimaziel aller Nationen lässt sich nicht ohne eine Anpassung unserer Diät erreichen.

1/3 der Emissionen kommen aus Ernährung: Dabei sind tierische Produkte der Emissions-Verursacher Nummer 1

Studien ergeben, dass der Anteil der Ernährung weltweit am Gesamtausstoss von Treibhausgasen rund 31% beträgt. Dies ist mehr als durch den gesamten Verkehr und dem Bereich Wohnen entsteht. Dabei stehen Fleisch-, Milch- und Eiprodukte mit ca. 18% an erster Stelle; hingegen fallen auf Obst- und Gemüseprodukte gerade einmal 1.9% und auf Getreideprodukte nur 1.4%. Die meisten Emissionen entstehen durch die Futtermittelproduktion und die Methangase der Wiederkäuer (Kühe, Schafe und Ziege). Weitere wichtige Faktoren sind Saisonalität, Transport und Produktionsweise (z.B. eingeflogene Lebensmittel, Behebung von Gewächshäuser, energieintensive Produktionsweisen wie eintrocknen).

Grafik: Treibhausgas-Emissionen über den Konsum einer europäischen Person

Klimagase die durch die Lebensmittelproduktion entstehen, können entweder durch Verbesserungen in der Landwirtschaft oder durch angepasste Konsummuster erreicht werden. Das nur Verbesserungen in der Landwirtschaft nicht ausreichen ist mittlerweile belegt.

Der Untergang des Transport-Mythos: Die meisten Emissionen entstehen in der Landwirtschaft 

Mit einer cleveren Selektion von pflanzlichen, saisonalen und regionalen Lebensmittel lassen sich über 50% der Emissionen einsparen. Zur Berechnung der Klimawirkung von einzelnen Lebensmitteln benutzen wir Lebenszyklusanalysen (LCA). Eine LCA ist eine quantitative Analyse der Umweltwirkung eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus (vom Bauernhof bis auf den Teller).

Nicht alle Treibhausgase belasten das Klima gleich stark. Methan, Lachgas oder Ammoniak haben zum Beispiel eine stärkere Treibhaus-Wirkung als CO2. Dabei ist Methan 25-mal und Lachgas sogar 298-mal gefährlicher als CO2. Da ein Produkt verschiedene Arten von Treibhausgasen verursachen kann, wird die gesamte Belastung in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Die CO2-Werte berücksichtigen die gesamten Treibhausgas-Emissionen eines Produktes oder Menüs – von der Herstellung über den Transport bis zum Verkauf.

Verpackung, Transport und Zubereitung in der Küche spielen meistens eine sehr untergeordnete Rolle. So ist der Stromverbrauch fürs Kochen und die Lagerung in der Schweiz weniger als 0.5% der Emissionen pro Menü. Die meisten Emissionen entstehen in der Landwirtschaft - d.h. in der Wahl der Produkte selbst:

Grafik: Vergleich Treibhausgas-Emissionen bei verschiedenen Lebensmitteln, Quelle: Eaternity

 

Bei Obst und Gemüse ist Saisonalität zentral

Saisonalität ist primär bei Gemüse und Obst relevant. Kauft man eine Gurke im Winter aus der Schweiz werden durch die Beheizung vom Gewächshaus bis zu 5.7 kg CO2-Äq / kg Gurke verursacht. Im Sommer dagegen ist dies nur einen Bruchteil.

Grafik: Vergleich Treibhausgas-Emissionen für Gurken-Herstellung je nach Jahreszeit, Quelle: Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Importiertes Gemüse und tiefgekühltes Gemüse schneiden im Vergleich zum Gewächshausgemüse wesentlich besser ab. Deswegen verwendet man aus Klimasicht im Winter wenn es nicht saisonal sein kann lieber importiertes oder tiefgekühltes Gemüse. Die Klimabelastung durch den Import wird nur bei Flugzeugtransporten relevant. Gesamthaft macht der Transport nur 4% der Klimabilanz von Lebensmitteln aus. Bei Gemüsen und Früchten lohnt sich also oft die Diskussion nicht woher sie kommen.

4 Tipps für klimafreundliches Essen:

  • Besser pflanzlich statt tierisch: Obst, Gemüse und Getreide besitzen eine erheblich bessere Umweltbilanz als Fleisch, denn die Tierhaltung ist besonders ressourcen- und energieintensiv. Wenn jeder Schweizer nur 2-3 Mal die Woche Fleisch durch pflanzliche Proteine ersetzt, sparen wir dadurch mehr als 1 Mio. Tonnen CO2 im Jahr.
  • Auf die Tierart des Fleisches kommt es an: Geflügel hat eine geringere Klimabelastung als Rind- oder Schweinefleisch. Wer sein geliebtes Fleisch nicht missen möchte, kann durch bewusstere Auswahl ebenfalls bereits zum Klimaschutz beitragen.
  • Bei Gemüse wählt man am besten saisonal: Keine Gewächshäuser - diese verbrauchen in der Regel sehr viel Energie für Beleuchtung, Bewässerung und Heizung. Und somit auch frische statt tiefgefrorene oder konservierte Produkte.
  • Im weiteren zählt die Regionalität der Produkte: Möglichst kurze Transporte und keine Flugzeugtransporte - diese fallen wegen ihres hohen Treibstoffverbrauchs stark ins Gewicht.

 

Über den Autor

Essens-Liebhaber und Unternehmer Manuel Klarmann hat 2008 die Initiative Eaternity mit gegründet. Das Startup berechnet den CO2-Fussabdruck von Menus in Restaurants um Küchenchefs und Kunden eine fundierte Entscheidung über Ihre Klimabelastung zu erleichtern. Eaternity entwickelt seine Visionen und Projekte zusammen mit Kunden wie der Compass Gruppe oder Tibits. Seit 2015 gibt es die gratis Eaternity Online App zur Berechnung des CO2-Impacts von Menus für jedermann. Bei Fragen oder Feedback freut sich Manuel auf deine Kontaktaufnahme via twitter @mklarmann

 

 

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